Was ist der Unterschied zwischen Meditation und Achtsamkeit?

Achtsamkeit, Meditation, Achtsamkeitsmeditation… Worin besteht da eigentlich der Unterschied? Gibt es überhaupt einen? Im heutigen Artikel möchte ich genau diesen Fragen auf den Grund gehen.

Der Unterschied zwischen Meditation und Achtsamkeit:

Meditation: Dabei handelt es sich um Geistesübungen in vielfältigen Formen und Traditionen. Achtsamkeit kann ein Teilaspekt von Meditation darstellen. Daneben enthält Meditation aber noch viele weitere Aspekte [1].

Achtsamkeit beschreibt das Wahrnehmen der Sinne oder das distanzierte Beobachten der Gedanken. Sie kann immer stattfinden und benötigt keinen ritualisierten Ablauf.

Was gibt es für Meditationen?

Wollte man alle Varianten von Meditation aufzählen, wäre die Liste wohl sehr lang. Um so mehr, wenn man auch noch weitere, ähnliche Verfahren berücksichtigt, die man im alltäglichen Sprachgebrauch auch manchmal als Meditation bezeichnet.

Um mich auf die wichtigsten Formen zu beschränken, möchte ich einen Überblick auf die verschiedenen Traditionen geben. Die populärsten Formen der Meditation, die sich in der heutigen Zeit in unseren Breiten wiederfinden, entstammen ostasiatischen Traditionen.

Besonders bekannt sind die Meditationen aus dem Hinduismus und dem Buddhismus. Auch hier gibt es jetzt wieder sehr viele verschiedene Strömungen. Unterscheiden lassen sich die Verfahren des Meditierens in aktive und passive Meditation.

Wenn du genau wissen willst, was es damit auf sich hat, dann erhältst du detailliertere Informationen in folgendem Artikel: aktive und passive Meditation: Das ist der Unterschied!

Um es knapp zusammenzufassen, kann man sagen, dass bei aktiver Meditationen Körperbewegungen oder bewusste Handlungen mit enthalten sind. Passive Meditation wird in Stille ausgeführt und traditionell meist im Sitzen.

Bekannt als aktive Meditation ist dir vielleicht Yoga. Eigentlich bezeichnet Yoga eine philosophische Lehre. Die typischen Körperstellungen bezeichnet man Asanas, die aus der Lehre des Yogas kommen.

Bei passiver Meditation begegnen uns die Formen der Konzentrationsmeditation und der Achtsamkeitsmeditation. Häufig wird das durcheinander geworfen. Da gibt es auch keine so ganz klaren, offiziellen Definitionen.

Was hat Achtsamkeit mit Meditation zu tun?

Häufig meint man mit Achtsamkeitsmeditation, dass man die Gedanken beobachtet.

Man denkt nicht nach und man grübelt auch nicht. Es geht darum, eine distanzierte, neutrale Haltung zu den eigenen Gedanken einzunehmen. Damit ist gemeint, dass man die Gedanken nicht bewertet und sie weder ablehnt noch ihnen anhaftet.

Konkret könnte das heißen: Man wartet aufmerksam auf den nächsten Gedanken. Sobald man feststellt, dass man wieder in das Denken gerutscht ist, kehrt man mit der Aufmerksamkeit auf den Körper zurück, z.B. auf die Atmung. Anschließend wartet man erneut in achtsamer Stellung darauf, dass ein Gedanke kommt.

Die Achtsamkeit kann schweifen. Du kannst sie durch den Körper bewegen im sog. Body-Scan. Oder du schaust achtsam umher, was sich um dich herum befindet. Ob du nun in einem Zimmer bist oder im Freien. Dabei kannst du auch lauschen, was es da zu hören gibt. Denn ganz still ist es eigentlich nie.

Bei der Konzentration richtest du deine ganze Aufmerksamkeit fest auf eine Sache. Du bewegst den Fokus nicht. Das kann eine Stelle im Körper sein, etwas im Außen oder auch ein Gedanke.

Aber anders als bei der Achtsamkeitsmeditation wartest du nicht einfach ab, welche Gedanken da kommen. Du bist nicht passiv und beobachtest nicht nur. Bei der Konzentration denkst du absichtlich einen bestimmten Gedanken. Das kann ein Satz sein, den du ständig wiederholst oder auch ein Bild, eine Szene, auf die du dich im Geiste richtest.

Meditation ohne Achtsamkeit. Gibt es das?

Ich habe ja eben schon erwähnt, dass Begriffe wie Achtsamkeit, Konzentration oder Ähnliches nicht so klar voneinander abzugrenzen sind. Völlig wird wohl kaum eine Meditation erfolgen.

Aber Achtsamkeit im engeren Sinne hat ja etwas mit der aufmerksamen Wahrnehmung der Gegenwart zu tun. Mit den Meditationen der ostasiatischen Traditionen soll häufig der Geist geleert werden.

In den abrahamitischen Religionen (Judentum, Christentum, Islam) kann man jedoch auch Meditation findet. Doch das Verständnis davon ist ein anderes. In den Religionen geht es eigentlich nicht um das Entleeren des Geistes.

Häufig ist es ein Nachdenken, was man in den Schriften gelesen hat. Ein Nachdenken über religiöse Inhalte. Aber auch in der griechischen Philosophie oder anderen philosophischen Strömungen ist von Meditation die Rede, wenn man über ein Thema nachdenkt.

Oft wurden diese Überlegungen, diese Meditationen auch niedergeschrieben. So z.B. die „Meditationen über die Grundlagen der Philosophie“ von René Descartes.

Häufig spricht man in diesen Zusammenhang auch von Kontemplation. Wenn du Näheres zu Kontemplation erfahren möchtest, dann empfehle ich dir meinen Artikel: Was ist der Unterschied zwischen Kontemplation und Meditation?

Was macht man beim Meditieren?

Bei Meditationen im engeren Sinne haben wir einen klaren Ablauf. Man nimmt sich eine gewisse Zeit und zieht sich zurück. Man betreibt eine Zeremonie bzw. ein Ritual. Dabei macht man das nicht irgendwo zwischendurch spontan.

Die Meditation erfolgt nach einer Ordnung. Man hat sich bestimmte Zeitpunkte, man könnte sagen Termine festgelegt, zu denen man meditiert. Außerdem hat man bestimmt, wie lange die Meditation gehen soll. Vielleicht hat man sich auch für einen bestimmten Ort entschieden. Möglicherweise meditiert man immer im gleichen Raum der Wohnung.

Zunächst bereitet man sich vor. Stille kehrt langsam ein.

Es gibt so vieles, was man alles zur Zeremonie einer Meditation dazunehmen kann. Es beginnt mit der Gestaltung des Raumes. Die Schaffung einer besonderen Atmosphäre. Manchen entzünden dazu Räucherstäbchen oder stellen Buddha-Statuen auf. Die Klangschalen werden in Position gebracht.

Dann wird häufig eine besondere Sitzhaltung eingenommen, wie der Lotossitz (Lotussitz). Üblicherweise schließt man die Augen.

Auch aktive Meditationen haben ihre ganz besonderen Abläufe. Was immer auch getan wird. Es ist ein Ritual und auch eine gewisse Routine. Und gerade das hat auch seinen psychologischen Effekt. Einen Effekt, den man nicht unterschätzen sollte.

Gerade deshalb ist eine formelle Meditation wirksamer als nur achtsame Momente im alltäglichen Tun. Auf einen weiteren Vorteil einer formellen Meditation möchte ich später noch eingehen.

Was ist Achtsamkeit?

Achtsamkeit bedeutet, etwas bewusst mit den Sinnen wahrzunehmen. Das kann eine Stelle am Körper sein, aber auch die Atmung. Oder man beachtet aufmerksam etwas in seinem Umfeld, z.B. eine Person. Es geht auf jeden Fall darum, aus den Gedanken herauszutreten. Das distanzierte Beobachten der Gedanken ist jedoch auch Achtsamkeit.

Achtsamkeit bedeutet im Hier und Jetzt zu sein. D.h. nicht mit den Gedanken in der Zukunft, in der Vergangenheit und auch nicht an einem anderen Ort.

Achtsamkeit können wir überall im Alltag praktizieren und wir benötigen dazu keinen formellen Ablauf, wie bei er Meditation. Dennoch bringt Achtsamkeit Ruhe und Gelassenheit in unseren Alltag und verleiht unserem Leben mehr Tiefe.

Was fördert Achtsamkeit?

Nun hast du dir wahrscheinlich längst die Frage gestellt, warum soll ich überhaupt achtsam sein? Welchen Nutzen hat das? Was für positive Eigenschaften werden durch Achtsamkeit gefördert?

Achtsamkeit hilft uns dabei, besser mit Gefühlen umzugehen, sie besser zu regulieren. Durch Achtsamkeit üben wir, eine Lücke zwischen Reiz und Reaktion zu bekommen. Das heißt z.B. wenn es ein Problem gibt (Reiz) so werden wir nicht sofort ausrasten (Reaktion).

Wenn das Problem auftritt, dann nehmen wir die Gefühle, die entstehen, mit einer gewissen Distanz achtsam wahr. Wir lassen sie zu und verweilen ein wenig. Meist verringern sich diese schnell. Was wir aber nicht tun: Wir lassen uns von den Gefühlen nicht diktieren, was wir tun sollen. Wir handeln nicht aus dem Affekt heraus.

Auf diese Weise können mit Achtsamkeit zwischenmenschliche Konflikte, Stress aber auch Angst besser bewältigt werden.

Was bedeutet Achtsamkeit im Alltag?

Nun, als Realist wird man feststellen, dass es gar nicht möglich ist, den ganzen Tag achtsam zu sein. Man wird es kaum schaffen, andauern bewusst die Sinneswahrnehmungen und die Gedanken zu beobachten. Schließlich sind wir auch immer wieder vor Aufgaben gestellt, bei denen wir uns konzentrieren müssen.

So ist es manchmal nötig, intensiv nachzudenken, um Lösungen zu finden.

Aber es geht gerade darum, in den Momenten, wenn wir nicht nachdenken müssen, achtsam zu sein. Und diese Momente gibt es ganz sicher. So finden wir sie, wenn wir z.B. etwas mit den Händen arbeiten, im Zug sitzen oder im Stau stehen.

Gerade dann sollten wir die Chance nutzen und heraustreten aus den Gedanken und nicht grübeln.

Was ist der Unterschied zwischen Aufmerksamkeit und Achtsamkeit?

Aufmerksamkeit ist im Vergleich zu Achtsamkeit noch vielschichtiger. Achtsamkeit beschränkt sich im Wesentlichen auf das bewusste Wahrnehmen der Sinne oder Gedanken. Aufmerksamkeit bedeutet auch, ein Mitgefühl für andere zu haben, ihnen zuzuhören und mitunter ihnen auch etwas zu geben.

Es gibt auch Meditationstechniken, die genau das zum Ziel haben. Sie kultivieren Mitgefühl und Mitfreude [2].

Mein Tipp:

Ich habe vorhin davon gesprochen, dass eine formelle Meditation schon wirksamer als Achtsamkeit zwischendurch ist. Schließlich stellt sie eine Routine dar. Ein weiterer Vorteil ist, dass man sich bei einer Meditation viel besser und länger konzentrieren kann. Der nachhaltige Trainingseffekt für mehr Ruhe und Wohlbefinden ist wesentlicher größer.

Daher empfehle ich, wenn möglich, formelle Meditationen zu bevorzugen.

Nico

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